Dienstag, 30. August 2016

Kynance Cove bei Hochsommerwetter an einem Bank Holiday Monday und die Spuren des PC Andy Hocking


Heute strahlt die Sonne schon um halb neun warm aus dem Himmel, wir frühstücken auf dem Balkon. Danach fahren wir, wie gestern schon geplant, zur Kynance Cove auf der Westseite der Halbinsel The Lizard und nahe bei Lizard Point, dem südlichsten Punkt von Großbritannien.

Die Kynance Cove ist -neben den Bedruthan Steps- das vermutlich am meisten auf Postkarten und Illustrationen von Cornwall verwendete Motiv einer cornischen Steilküste.
Ich werde vom britischen Tourismusbüro in dieser Einschätzung (die allerdings nicht schwer war..) bestätigt: "Located on the west side of the Lizard and  probably the most photographed and painted location in Cornwall, the contrast between the cove’s white sand beach and the dark red and green serpentine rock produces a breathtaking sight."https://www.visitcornwall.com/beaches/west-cornwall/lizard/kynance-cove-beach

Es ist heute Bank Holiday, also ein ziviler Feiertag, einfach zum Freihaben, nicht um etwas Spezifisches zu feiern.  Der Bank Holiday stammt aus dem 19. Jahrhundert. Bis 1834 hatte die Bank of England 33 Feiertage, um Heilige zu ehren. Da dies ein bisschen viele freie Tage waren, wurden die arbeitsfreien Zeiten begrenzt auf den Mayday (1.Mai), Allerheiligen (1.11.) den ersten Weihnachtstag und natürlich Karfreitag. 1871 kamen  aufgrund des Bank Holiday Acts noch  der erste Montag im Mai und der erste Montag im August dazu:  "Under the Act, no person was compelled to make any payment or to do any act upon a bank holiday which he would not be compelled to do or make on Christmas Day or Good Friday, and the making of a payment or the doing of an act on the following day was equivalent to doing it on the holiday.The English people were so thankful that some called the first Bank Holidays St Lubbock's Days for a while.Scotland was treated separately because of its separate traditions: for example, New Year is a more important holiday there."

Seit den 60er Jahren) wird der Augustfeiertag an das Ende der Schulferien gelegt!
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Bank_holiday

Bank Holiday und letzte Ferienwoche in England, da ist ganz schön viel los. Zum Beispiel in Mullion: da ist heute "Scarecrow"- Festival, überall haben die Leute Vogelscheuchen gebastelt und aufgestellt.

In der Kynance Cove ist Badefestival für jeden Einzelnen. Die Tafel mit den Parkgebühren (National Trust) sieht verschiedene Gebühren für verschiedene Jahreszeiten vor. Alle sind aufgedruckt, nur für die Sommerferien gibt es einen kleinen Schilderhalter mit austauschbaren Holzplätzen für den Preis, derzeit kostet das Parken GBP 5,00, aber da wir im National Trust sind, ist das Parken für uns frei. Megan hat gestern erzählt, dass viele Anwohner in Cornwall nur deshalb im National Trust sind, um Parkgebühren zu sparen, der NT besitzt weite Küstenstriche und bewirtschaftet die Parkplätze.

Jedenfalls bewegt sich eine kleine Ameisenstraße von Menschen in allen Stadien des Bekleidetseins, von Flip Flops zu Wanderschuhen, von Glatze bis Strohhut, von Sari bis Tanga. Mitgenommen werden Picknickdecken, Kühltaschen, Sonnenmilch, Neoprenanzüge, Bodyboards, fast wie im Freibad also.

Armin steht die Panik in den Augen, als er über den Sand geht, überall wuselt es, und das, obwohl wir noch früher sind, als die meisten anderen. Ich weise darauf hin, dass man weiter durch gehen könnte. Das hätte aber bedeutet, dass Armin Schuhe und Strümpfe hätte ausziehen müssen, um durch das Wasserhindernis zu waten. Das ist natürlich ein No Go.  Wir einigen uns auf der anderen Seite der Cove ein Stück hochzuklettern und uns da niederzulassen, da haben wir im Grunde auch den schöneren Blick. Armin lässt sich auf die Decke fallen und steht die nächsten zwei, drei Stunden nicht auf. Ich gehe nach einer kurzen Pause den Küstenpfad weiter in Richtung Mullion Cove, keine 200 Meter weiter wird es ganz leer und ich bin teilweise weit und breit die Einzige. Außer den Kühen. (Keine blöden Bemerkungen, bitte).Die Ausblicke sind grandios!

Dann irgendwann ist es genug mit der Sonne  und Hunger haben wir auch und ein Pit Stop wäre auch nett und  so wir machen uns wieder auf den Runter/Rauf Weg zurück zum Parkplatz.

Armin will evtl. mal in Mullion Golf spielen und wir essen einen Snack im Golfclub, wo er sich sowieso erkundigen wollte. Ich bestelle Cheesy Chips, mit Cheddar leicht überbackene Pommes. Glücklicherweise nimmt Armin mit seinem Sandwich mir welche ab, so viele Küstenpfade kann man gar nicht laufen, um die Kalorien los zu werden. War aber sehr lecker!Jetzt möchte ich drei Monate lang keine Fritten mehr essen.

Wir machen noch eine kleine Rundfahrt über The Lizard und halten auf meinen Wunsch bei Roskillys Eismanufaktur bei St. Kaverne. Armin meint, dass da wegen des Feiertages alles zu ist und ich meine, dass wegen des Feiertags gerade alles auf ist. Ich habe Recht, aber zu sehen ist nicht viel, ein Streicheltierezoogehege brauchen wir gerade nicht und die Schlange im Eiscafé  geht bis zum Kleintiergehege, jedenfalls fast. Wir fahren wieder, Armin kauft später  im Supermarkt Eis zum Ausgleich, aber natürlich kein Cornisches, sondern Hagen Dasz, weil das im Angebot war. Männer!

In Falmouth mache ich noch eine kleine Runde durch den Ort und geniesse die Abendsonne, die Boote dümpeln wie bunte Bonbons auf dem Wasser.

Vor Marks & Spencer finde ich die erste der Fußspuren, von denen ich gerne noch berichten wollte.

Es sind die Fusspuren des vor einem guten Jahr verstorbenen Police Constable mit Namen Andy Hocking und der Dienstnummer 4270.
Er war der Vater meiner Malermitstreiterin Megan. Er ist ganz plötzlich, mit nur 52 Jahren verstorben. Zuvor war er 24 Jahre lang der Village Policeman von Falmouth, ein richtiger "Bobby", wie es sie heute nicht mehr gibt. Schon vor seinem Tod war PC Hocking in den Schlagzeilen , weil Sparmaßnahmen bei der Polizei zu einer möglichen Kürzung seiner Stelle hätte führen können, dies wurde aber noch abgewendet. (siehe hierzu  - mit sehr schönem Foto von ihm): "http://www.falmouthpacket.co.uk/news/11283643.Andy_Hocking_to_be_pulled_from_Falmouth_beat__rumours_quashed/
In Falmouth ist dann allerdings nach seinem Tod tatsächlich kein Nachfolger mehr eingestellt worden.

 Freunde und Kollegen haben mit Hilfe der Ortsverwaltung für ihn einen Trauermarsch entlang seines Reviers (englisch: his beat) organisiert , man rechnete mit bis zu 2.000 Menschen, es wurden tatsächlich 6.000! Die BBC berichtete darüber mit dem Titel: "What made one Cornish Copper so special?". http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-cornwall-32401906

Die Antwort war ganz einfach, die Leute mochten ihn, sie vertrauten ihm, was bei dem allgemeinen Misstrauen gegen die Polizei etwas besonderes war. PC Hocking hatte seinen Dienst nie einfach nur abgehakt, es ging ihm um seine Bürger!

Man sammelte zudem in Falmouth Geld, um ihm ein kleines Denkmal zu setzen. Es kam so viel Geld zusammen, dass vom Rest, der nicht für die Bildhauerin benötigt wurde, ein Defibrillator angeschafft werden konnte, der jetzt im Bereich von Pendennis Castle hängt und für alle zugänglich ist. Vom Hauptteil des Geldes wurde eine lokale Bildhauerin beauftragt, eine Bronze zu erstellen. Hierfür entwarf und goss sie vier Paar Fußabdrücke seiner Dienstschuhe, die nun an vier verschiedenen Stellen seines Revieres in den Boden eingelassen wurden.

Eine schöne Erinnerung an ihn und eine besonders schöne Erinnerung für Megan, ihre Schwester und ihre Mutter. Wenn man sein Foto sieht , kann man die Wertschätzung  gut verstehen. Hier ein Zitat aus dem BBC Beitrag:
"Jacqui Owen first got to know PC Hocking at the gates of her children's primary school.
"Andy was one of those people you always felt better for seeing, whether you were just going past him and giving him a wave, or stopping for a chat - he always left you going away with a smile on your face," she said.
"It's a real loss. It's still very hard to come into town because you expect to see him and now… you don't."

Vor der Grundschule steht auch ein Paar der bronzenen Fussabdrücke!

Kynance Cove Panorama 1

Kynance Cove Panorama 2

Türkises Wasser in der Kynance Cove


Der mittlere Badestrandteil von Osten aus gesehen

Der mittlere Badestrandteil von Westen aus gesehen

Leuchtendgelbe Flechten

Serpentin, Granit und Gneiss

Blick Richtung Mullion

Die Kühe und ich und sonst keiner

Kynance Cove Café

Liegeplatz "with a view"

Da springt einer!




Unser Nachbar scheint ein Surfer zu sein

Möwe

Boote wie Buntstifte

Bojen und Boote in allen Farben


Die Fußstapfen des PC Andy Hocking



Montag, 29. August 2016

Warum ein Malkurs inspiriert und der Kaffee (oder Tee) zur Grundausstattung gehört.

Heute ist Sonntag und der Wecker klingelt um 7 Uhr. Things you do for love; for the love of arts and for loving Heike, denn Armin muss mit raus, heute wird Megan von uns mitgenommen und die Anfahrt von Falmouth aus dauert länger als nur Old Paul Hill herunter und Chyvoose Hill hinauf.
Wir laden Megan um halb 9 ein uns sind bereits um 9.15, also zu früh, in Newlyn. Da Sonntag ist, wird noch keiner in der Schule sein, also schlage ich das Duke Street Café vor, dass ich vor ein paar Tagen entdeckt hatte. In Newlyn ist morgen am Bank Holiday Feiertag das große Seafood Festival. Überall werden bereits Buden und Zelte aufgebaut und Wimpel aufgehängt. Das Café hat gerade erst aufgemacht , aber die Espressomaschine ist schon warmgelaufen. Ich lerne den Unterschied zwischen Café Latte, Latte Machiato, Espresso Macchiato und einem Flat White. Letzterer ist ein Tasse mit zwei Shots Espresso, aufgefüllt mit Milchschaum. Das wäre geklärt.

Wir sitzen unterhalb der Sichtlinie auf Ledersesseln und -couch, da kommt unsere Mitstreiterin Dorothy hereingestürmt. Eine Frau mit einer Mission: Schnell zwei Kaffee to go kaufen. Sie hat uns dabei gar nicht wahrgenommen. Wenn sich Dorothy beeilt, dann heißt es , dass es auch für uns Zeit ist aufzubrechen.
In der Schule gibt es erst einmal eine kleine Kaffeerunde und und dann sind wir wirklich alle wach. Danach werden die Bilder von gestern gemeinsam angesehen und kritisch betrachtet. Heute hat der Tag mit etwas Nieselregen angefangen, aber wir hatten sowieso vor, im Studio zu bleiben und frei zu arbeiten, nachzuarbeiten und Zeit für An- und Abfahrt zu den Aussenmalplätzen zu sparen.

Ich weiß nicht, ob ich es schon geschrieben habe, aber Maggie hat das Talent einer Grundschullehrerin zu loben, so dass man sich erst einmal gut fühlt, bevor das (man ahnt es schon) "but" kommt. Geht uns allen so und so beginnen wir erst einmal mit dem Nacharbeiten der Bilder von gestern. Ich bearbeitet mein Cottage-Heidekraut-Bild. Hinterher ist es so, dass klar ist, dass es gerahmt werden soll. Es ist ein nettes Bild geworden, gefällig, "but not pretty pretty", wie Maggie sagt.

Danach fange ich etwas Neues an, als ich den Himmel erst einmal vin Graublau vorbereite, sehe ich, dass jemand es mit der Grundierung zu gut gemeint hat. Abschleifen geht jetzt nicht mehr. Mist. Neue Malpappe geholt, aber das Format ist leider nicht mehr da, also schnelle ich mir ein etwas kleineres noch kleiner, damit es passt. Der Cutter ist so groß, dass man ihn auch als Guillotine verwenden könnte. Immernoch mit allen 10 Fingern , mache ich mich erneut an die Arbeit. Nachdem ich mich gestern für ein Landbild entschieden hatte, ist heute das Meer dran. Von der Landscape zur Seascape. Ich nehme meine Land´s End Skizze und lege los. Die Zeit vergeht, wir sind alle konzentriert und versunken in der Arbeit. Megan, die mir gegenüber sitzt, summt eine Melodie und merkt es gar nicht. Dorothy bearbeitet seit drei Stunden schon das Bild von gestern, es wird besser, es wird schlechter, es wird wieder besser. Alle halten die Lunchpause kurz. Bleifussmentalität hat eingekickt.

Das Malen ist entspannend und gleichzeitig anstrengend. Die Konzentration kostet Energie. Heute haben wir aber den Kaffeebecher neben uns auf dem Tisch und eine Toilette in der Nähe.

Zwischendurch kommen immer wieder auch Gespräche auf und inzwischen kennt man die Lebensgeschichten der meisten schon ganz gut. Unsere Malerin wohnt, wie schon geschrieben, auf dem Boskenna Grundbesitz, zu ihrem Haus gehört ein Kutschenhaus, dass sie und ihr Mann zu zwei kleinen Ferien- oder Gästewohnungen umgebaut haben. Dieses Jahr haben sie es noch anders gemacht, sie vermieten ihr eigens Haus im Sommer und sind in das eine (kleine) Studio gezogen. Eine gute Einnahmequelle im Sommer. Viele machen das hier so.

Die letzte Gästebewertung des Hauses lautet wie folgt:
"Boskenna Coach House is unique in holiday rental properties and it was a real wrench to leave it. The home of a highly talented artist, whose skill in combining welcome and comfort with the pleasure and privilege of living with exquisitely arranged diverse and stimulating art, Boskenna is a treasure we have never seen anything like on your listings, or those of any other company. Flowers from the wonderful garden and books on every subject are everywhere, but particularly beautiful art books; every cooking facility desirable, even a great collection of CDs and DVDs, our three generations were in Heaven. The garden itself is a continuation of the wonder of the house, with extensive seating in four areas to take in all aspects, and is completely walled, which is a blessed bonus for those, like us, with a small dog who also likes to explore and whose selective hearing excludes "Come," - male. Boskenna is also set in one of the most beautiful and interesting areas of Cornwall; but the house and it's garden is a gem, as rare as pigs feathers. It soars above everything else we have ever rented for holidays."

Besser geht es nicht, und ja, dass Haus wist wirklich klasse ! Zu mieten über Classic Cottages: http://www.classic.co.uk/Cottage.aspx?year=2016&code=3185&page=desc&search=&yss=2016&yes=2017&dss=01%2f01%2f1900+00%3a00%3a00&des=01%2f01%2f1900+00%3a00%3a00&aday=&amon=&nday=0&nlc=Porthcurno&nlm=5&nle=0&nln=0&rpp=10&pmin=1&pmax=1&name=&rgn=COFW&minA=0&maxA=0&minB=0&pet=0&bed=0&bath=0&mrb=Z&cod=Sunday&mfs=0&mfb=0&mfsb=0&sa=False&ltyp=0&gtyp=0&ptyp=0&psub=0&styp=0&nPet=N&nSmo=N&svw=N&fire=N&tht=N&farm=N&gfo=N&sp=&spt=&clst=&cFrom=-1&cTo=-1&baby=0&bbi=N&tub=N&fsi=0&park=N&green=N&oso=N&somd=N&bname=&tags=&locid=0&wti=1&area=COFW&pagenum=1

In Deutschland wird die britischer Agentur von Ferienhäuser am Atlantik vertreten:http://www.ferienhaus-neukirchen.de/fr_index.htm

Um halb vier fangen wir das große Aufräumen an (Pinsel, Paletten, Arme, Gesicht, Terpentin fliesst reichlich!) und danach gibt es Tee, Kaffee, Kekse und Manöverkritik der Bilder des Tages. Die Runde löst sich auf, ein paar E-Mail-Adressen hier und da werden getauscht. Vier Tage gemeinsam geschwitzt und dann ist es vorbei. Schade, aber ich freue mich auch auf das Ausschlafen, keinen Zeitplan zu haben und auf das Nichtstun.

Aber als Erstes muss ich mir aber noch ein größeres Skizzenbuch kaufen, dann unbedingt mehr Terpentin für den dicken grünen Strich im Gesicht. Dann möchte ich mich (auch) irgendwo hin setzen und weiter das Gelernte umsetzen. Schon ab dem Nachmittag war  heute das Wetter schon wieder gut (T-shirt Wetter,),vielleicht 19-22 Grad, aber keine 38 Grad,  wie der Rekord wohl heute in Deutschland war. Morgen soll strahlende Sonne sein, Zeit für die Kynance Cove.

Außerdem muss ich unbedingt noch die schöne Geschichte von Megans Vater erzählen, aber jetzt bn ich zu müde zum Tippen. Und ausserdem muss ich dafür vorher noch ein Foto machen. Also vielleicht morgen im Blog?

Flat White und das Duke Street Café

Dorothee bei der Arbeit

Carrie bei der Arbeit

Wendy bei der Arbeit

Rowena bei der Arbeit 

Heike bei der Arbeit 

Megan beim Aufräumen

Bild von Margaret

Bild von Clive

Bild von Jim

Bild von Wendy

Eines der Bilder von Megan

Eines der Bilder von Rowena

Mein weitergearbeitetes Bild von heute und gestern

Mein neues Bild von Heute


Maggie O´Brian mit meinem Bild

Überall Inspiration 

Wichtigstes Werkzeug

Für die Skizze 

Für die Farbe 


Der lange Tisch

Daisy

Für die Farbe 
Abendstimmung Falmouth



Samstag, 27. August 2016

360 Grad Panoramablick, "Wie entscheidet man sich da für ein Motiv?

Winkel in der Marine Lodge

Heute musste ich vor dem Malen schnell packen, da wir ab heute die Wohnung Crosstree in Falmouth gemietet haben, in der wir schon zweimal waren. Jedenfalls war das B&B in Newlyn sehr gut, wer in die Gegend möchte, unbedingt die Website der Marinelodge ansehen. (s. Blog 24.08.).

Dann mache ich mich auf den Weg und gehe den Berg Old Paul Hill hinunter und werde wieder von Dorothy und Jim mitgenommen den nächsten Berg hoch. Heute fahren wir nach einem ersten Kaffee weiter nach St. Just. Diesmal ist Daisy dabei, ein Golden Doodle mit Zimmermannstaschentuch um den Hals und Locken wie ein Schaf. Ansonsten fast weiss, aber wie Luke, nur viel größer und so freunden wir uns schnell an. Das ist auch gut so, denn wir teilen uns die Rückbank von Maggies Auto. Daisies Verständnis von teilen ist so, dass er mir nach 750 Metern den Kopf auf den Schoß legt und gekrault werden will. Jedenfalls ein bisschen.

St. Just, liegt ganz im Westen, zwischen Land´s End und Cape Cornwall vielleicht eine Meile im Landesinneren. Unser erster Programmpunkt ist die Ausstellung "Place" in der Kurt Jackson Foundation mit Bilder von......Kurt Jackson!

Sein Shop: http://www.kurtjacksoneditions.com

Kurt Jackson, Jahrgang 1961 stammt aus Dorset und hat  in Oxford Zoologie studiert, aber die meiste Zeit dort trotzdem mit malen verbracht:

"Kurt Jackson MA (Oxon) DLitt (Hon) RWA was born is 1961 in Blandford, Dorset. He graduated from St Peter’s College, Oxford with a degree in Zoology in 1983. While there, he spent most of his time painting and attending courses at Ruskin College of Art, Oxford. On gaining his degree he travelled extensively and independently, painting wherever he went. He travelled to the Arctic alone and hitched across Africa with his wife, Caroline. They moved to Cornwall in 1984 where they still live and work.
 They have three grown children, Seth, Zinzi and Chloe, as well as four young grandchildren Thelonious, Maisie, Taya and Issac. 
He has been Artist in Residence on the Greenpeace ship Esperanza, at the Eden Project and at Glastonbury Festival since 1999.He has an Honorary Doctorate (DLitt) from Exeter University and is an Honorary Fellow of St Peter's College, Oxford University. He is an ambassador for Survival International and frequently works with Friends of the Earth, Greenpeace, WaterAid, Oxfam and Cornwall Wildlife Trust.
He is represented by the Jackson Foundation Gallery, St Just, Cornwall and is an academician at the Royal West of England Academy.
 (Quelle: siehe zuvor)

Nach den zwei ersten Tagen des Malkurses, schaut man die Bilder jetzt noch genauer an, als man es sowieso getan hätte: Pinselführung, Techniken, Aufteilung, Farben. Jackson verdient sein Geld auch mit Collagen, Schmuckdesign und anderem und handelt offenbar nach dem Motto: Tu Gutes, mal gut und rede darüber. Viele Sachen gefallen mir, nicht alle. Außerdem finde ich es manieriert, die Titel in das Bild zu kratzen (macht er glücklicherweise nicht immer).

Dann geht es weiter zum Mal-Standort für heute, einem Hügel oberhalb von St. Just. Mit dem Kolonne fahren ist es so eine Sache, nachdem Clive heute auf dem Hinweg schon versehentlich anders gefahren ist als wir und woanders parkt, geht jetzt noch schnell Jim zu Warren´s Bakery, aus der es zugegebenermaßen ziemlich verführerisch nach Cornish Pasty riecht. Maggie ist das gewohnt, dass sei immer so, ein Sack Flöhe, ebenwie in einer "richtigen"Schulklasse auch: ""They do it all the time."

Und dann fahren wir  doch noch in Kolonne ein paar hundert Meter bis eine kleine Sackgasse abzweigt. Die führt uns den Hügel hinauf und endet an einer kleinen Wiese, auf der wir parken. Wir schleppen wieder Farbkisten und Bretter, Malpappen und Paletten, Container mit Wasser, mit Terpentin und leere Container für die gebrauchten Flüssigkeiten zum Basecamp. Wir sind hier auf einer Granitkuppe mit Granitfelsen rundum zum Sitzen, um uns herum blühendes Heidekraut, orangefarbene Montbretia und gelber Stechginster. Dazu ein weiter Blick  mit Cottages, St. Just mit seinem Kirchturm, Feldern und Weiden mit Hecken in Diagonallinien, Himmel und Meer, fast zu viel um sich zu entscheiden.
Wir sollen erst einmal vier Skizzen machen  und uns über die Komposition und den "Bildausschnitt" unseres 360 Grad Blickes Gedanken machen. Nicht hinsetzen und losmalen, herumgehen und gucken.

Ich entscheide mich tatsächlich ,mich in die Botanik zu begeben und die Blumen, das Grün und die Cottages (mit Telefonmast- und leitung) zu malen. Das ist aber leichter gesagt, als getan. Schon auf dem Weg zu meinem Plätzchen flattert die Palette (Pappe mit Blättern aus einer Art Plastikgewebe los und meine Ölfarbe ist überall. Auf dem T-Shirt, dem Arm und auf den anderen Plastikblättern. Ich gehe zurück und zurre alles mit Tesakrepp windfest.

Dabei ist es mir noch besser ergangen als Dorothy, der ist ihre Palette ins Gesicht geweht, bei dem Versuch das Gesicht zu retten ist ihr Ölbild in den Stechginster gefallen, die Butterseite nach unten. Dann hat sie ihren Terpentinbehälter umgeworfen und sich danach dann eine neue Malpappe geholt.

Ich habe auf dem zweiten Weg zu meinem Malplätzchen auch die Hälfte des Terpentins verschüttet. Dann stellte ich fest, dass man auf dem Boden nicht sitzen konnte, da der Stechginster nicht ohne Grund seinen Namen hat. Jim hatte einen Klappstuhl aus der Malschule mitgenommen und benötigt ihn gerade nicht, da er Meer malt und auf einem Mauervorsprung sitzt. Ich male erst einen Untergrund, dann mehr Farbe, die gefällt mir nicht, also mehr Farbe und dann kommt Maggie und rettet mich mit "Tonking", so genannt nach einem Maler namens Tonk: Man nimmt ein Blatt Zeitung und drückt es auf das Bild, so dass ein Teil Farbe herunterkommt. Kann man übrigens prima als Stempel wiederverwenden.

Ich bin so vertieft in mein Bild, dass ich das Essen vergesse. Schließlich hole ich mir meine Butterbrotdose und esse mit Ölfingern einen Doppeldeckertoast und ein paar Trauben, dass muss reichen, ich will weitermachen!

Drei Stunden sind um wie nix, die Zeit reicht noch, um ein weiteres Bild, eine Ölskizze, wenn man so will, anzufangen bzw. als Skizze auch einfach so stehenzulassen.

Zur Freude meiner Mitmachenden habe ich mir einen braunen Schnurrbart gemalt. Man dirigiert den Terpentinlappen ind die richtige Richtung. Nett, es mir überhaupt zu sagen ;)...!

Dann das Ganze wieder rückwärts, Farben, Materialien ins Auto. Da wären aber die vielen nassen Ölbilder. Maggie legt ein großes Bild auf den Rücksitz und Megan oder ich passen nicht mehr ins Auto, da wechsele ich zu Dorothy und Jim ins Auto, da da ja auch noch der Hund Daisy ist. Megan setzt sich auf den Beifahrersitz. Ich denke an Daisies Kopf auf meinem Schoß frage halblaut, ob dieses Arrangement so eine gute Idee ist. Maggie bittet sodann Megan hinten einzusteigen und Daisy nach vorne zu kommen, Daisy sitzt also auf dem Vordersitz und wird angeschnallt .

So fahren wir über die kleinen Straßen zurück in Richtung Newlyn, wo wir allerdings am Trewidden Estate halten (toller Garten, da waren wir letztes Jahr), wo Maggie in ehemaligen Wirtschaftsgebäuden zusammen mit 13 anderen Künstlern ein Studio hat.
http://www.maggieobrien.co.uk

Danach trinken wir alle zusammen nach Kaffee oder Tee in der Art School und sind alle richtig müde!

Megan nimmt mich mit nach Falmouth, wo Armin inzwischen unsere Wohnung bezogen hat. Dort angekommen, gehen wir einkaufen, ich koche etwas und morgen um 8.30 Uhr müssen wir Megan abholen und es geht wieder los.
Wer hat gesagt, dass ich Urlaub mache...?

Abendstimmung im Hafen von Newlyn. 

Personalisiertes Nummernschild

Sonnenuntergang Newlyn

Fischerschuppen Newlyn

Kleiner Junge, angelnd, Newlyn
Morgenkaffee in der Newlyn Art School

St. Just in Penwith

Meine Ölskizze heute

Mein größeres Ölbild heute

Malen in der Botanik

St. Just und der Atlantik

Basecamp

Falmouth


Hafen in Newlyn